Der Niiio-Aktienkurs des letzten Jahres

Die Niiio AG scheint der Alleskönner unter Deutschlands Fintechs zu sein. Sie beherrscht „Innovation hoch zwei“, will das „SAP fürs Wertpapiergeschäft“ sein, plant einen „eigenen Blockchain-Marktplatz“, gibt mit ihrer „hochmodernen Robo-Advisor-Suite eine konkrete Antwort auf die zentralen Zukunftsfragen der Finanzbranche“ und hat erst jüngst wieder „ein neues Geschäftsmodell“ angekündigt. [contentad keyword=“adsensegs1″ align=“left“]

Wundert es da, dass sich der Aktienkurs der Niiio AG zwischen Anfang 2017 und Anfang 2018 in etwa vervierfacht hat (bevor das Papier zuletzt im allgemeinen Börsenrutsch nachgab)?

An Prominenz mangelt es dem neuen deutschen Super-Robo-Blockchain-Startup jedenfalls nicht. Dem Aufsichtsrat gehören neben Michael Mellinghoff vom Frankfurter Fintech-Forum auch ein früherer UBS-Deutschland-Vorstand und ein ehemaliger Fidor-Vorstand an, ein weiterer hochrangiger Ex-Banker könne folgen, ist zu hören. Höchste Zeit zu fragen: Was ist das eigentlich für ein Unternehmen? Und wo kommt es her? „Finanz-Szene.de“ hat sich das neue deutsche Wunder-Fintech etwas genauer angeschaut. Hier die Antwort:

Erster Akt: Die Meridio AG

Die Meridio AG war ein klassischer deutscher Vermögensverwalter. Gegründet wurde die Kölner Gesellschaft 1998 von Uwe Zimmer, den das interessierte Publikum vor allem aus dem „n-tv Geldanlagecheck“ kennt. Die Meridio AG war allerdings wirtschaftlich nicht sonderlich erfolgreich. Seit der Finanzkrise 2008 erwirtschaftete das Unternehmen in keinem einzigen Jahr einen positiven Ertrag. Ende 2015 betrug der kumulierte Bilanzverlust rund 5,5 Mio. Euro. Was das mit der Niiio AG zu tun hat? Nun…

Zweiter Akt: Die Verwandlung

Mitte 2016 wurde die Niiio GmbH aus Sachsen in die im Rheinland beheimatete Meridio AG eingebracht – die Niiio GmbH war also nun Teil der Meridio AG. Im Gegenzug gab die Meridio AG im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung 6,85 Millionen Aktien an die Eigentümer der Niiio GmbH aus. Da sich das Stammkapital des Kölner Vermögensverwalters vor dieser Kapitalerhöhung auf lediglich auf 3,15 Millionen Aktien belief, gehörte die Meridio AG jetzt mehrheitlich den Eignern der Niiio GmbH. Denn: Neben besagter Sachkapitalerhöhung sollte es zwar auch noch eine Barkapitalerhöhung über 8,9 Millionen Aktien geben. Von denen wurden allerdings nur 141.490 Anteile gezeichnet, eine Quote von gerade mal 1,6 Prozent. Bald darauf wurde die Meridio AG in Niiio Finance Group AG umbenannt. Neuer starker Mann im Unternehmen ist ein gewisser Johann Horch. [contentad2 keyword=“adsensegs2″ align=“left“]

Dritter Akt: Das Gutachten zur Meridio AG

Laut Paragraf 183, Absatz 3 des deutschen Aktiengesetzes hat bei einer Kapitalerhöhung mit Sacheinlagen „eine Prüfung durch einen oder mehrere Prüfer stattzufinden“. Im konkreten Fall übernahm dies die MSW GmbH, eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft. Obwohl die Meridio AG seit 2007 nur noch Verluste gezeigt hatte und die Provisionserlöse 2015 gerade einmal 1,3 Millionen Euro betrugen, kamen die Gutachter auf einen positiven Unternehmenswert von 2,2 Mio. Euro.

Nach der Ertragswertmethode war das nicht möglich, denn die Planungen wiesen selbst für das letzte Planjahr 2020 kein positives Ebit aus. Um dennoch einen Wert zu ermitteln, verfielen die Gutachter auf einen AUM-Multiplikator (Assets Under Management). So kam man auf Basis einer nicht näher definierten Peer-Group von 18 Vermögensverwaltern auf den Wert von 2,2 Millionen Euro.

Vierter Akt: Das(-selbe) Gutachten zur Niiio GmbH

Für die Niiio GmbH kommt der Gutachter auf Basis des Ertragswertverfahrens auf einen Wert von 15,4 Millionen Euro und nach dem sogenannten Multiplikator-Verfahren auf einen Wert von 9,8 Millionen Euro. Dem zugrunde lag der Plan, 2016 Umsätze von 2,6 Millionen Euro zu erzielen – und diese bis 2018 zu verzehnfachen. Wie das gehen soll? Das wird im Gutachten nicht en detail hinterfragt. Stattdessen nimmt der Gutachter einfach einen pauschalen Abschlag von 30 Prozent auf die Umsatzplanung vor. Unter Berücksichtigung dieses Abschlags soll in 2018 bereits ein Jahresüberschuss von 12,8 Millionen Euro erwirtschaftet werden.

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